Die Züchter haben das Recht, den Welpen ihre Namen zu geben und unser Welpe erhielt den Namen “Eclair vom Petersberg”, ein schöner Name, einerseits der Blitz und andererseits das Sahnetörtchen. Wir freuen uns über diesen schönen Namen in allen Papieren unserer Hündin.

Trotzdem hatten wir das Gefühl, diesen Namen nicht gut rufen zu können und so suchten wir nach dem “Gebrauchsnamen”.

Da ich neben Gärtnerei und Tieren gerne Geschichten schreibe, habe ich die Namensfindung aufgeschrieben. Vielleicht haben Sie Spaß daran, meine kleine Geschichte zu lesen!

 

 

Nomen est omen

Wir hatten immer Neufundländer-Hündinnen, obwohl es tatsächlich Mischlinge waren zwischen Neufundländern und Leonbergern, aber der Neufundländer setzte sich immer durch und unsere Hündinnen sahen aus wie Neufundländer-Hündinnen.

Eine Hündin erhielt den Namen „Mira“, aber nicht nach dem Mädchennamen, der zeitweise sehr populär war, sondern nach der russischen Raumfahrtstation „Mir“. Ich hatte gelesen, dass „Mir“ übersetzt „Frieden“ bedeutete und dieses Wort schien auf eine Neufundländerhündin nur zu gut zu passen. Also fügte ich ein „a“ hinzu, weil es sich um eine Hündin handelte und so entstand der Name Mira. Und Mira machte ihrem Namen alle Ehre. Nie hatten wir vorher oder nachher eine solch wundervolle und friedliche Hündin, die sämtliche Tiere bemutterte. Sie leckte alle Jungtiere sauber, egal ob es Hühner- oder Entenküken, Schaf- oder Ziegenlämmer oder unsere kleinen Ferkel waren. Mira betrachtete sie alle als ihre Kinder und sie bemutterte alle und passte auf alle auf.

Besonders glücklich war ich über ihre Charaktereigenschaften als unsere Tochter geboren war und unsere Hündin vor dem Kinderwagen lag und aufpasste. Als das Kind zu krabbeln begann und immer wieder zielstrebig auf die Hündin zu krabbelte, konnten wir unbesorgt sein. Mira ließ sich alles gefallen. Ob sie am Fell gezogen wurde oder plötzlich einen Kinderarm im Gesicht hatte war ihr egal. Sie ließ sich alles gefallen. „Mir“ war nicht nur ihr Name, sondern es traf genau ihr Wesen und wir waren furchtbar traurig, als sie mit 9 Jahren Krebs hatte und eingeschläfert werden musste.

Die nächste Hündin fand ich über ein Zeitungsinserat. Neufundländer-Leonberger Mischling zu verkaufen. Nach über 3 Stunden Autofahrt erreichten wir das Dorf, aus dem das Inserat abgeschickt worden war. Wir fanden das Haus und wurden in einen früheren Schweinestall geführt. Dort zeigte man uns die Leonberger-Mutter mit ihren Welpen inmitten von Dreck, Kot und Unrat. Alles kleine Neufundländer-Welpen hatte sie und sie sahen armselig aus. Ein Welpe kam direkt auf mich zu und es war sofort klar, dass es dieser sein sollte, auch eine Hündin, wie wir dann feststellten. Auf der Rückfahrt saß ich mit dem kleinen Tierchen hinten auf der Rückbank und es kuschelte sich während der Fahrt ganz eng an mich. Kein Geräusch kam über seine Lippen, es schien einfach glücklich und zufrieden zu sein und es hatte vom ersten Moment an eine besondere Ausstrahlung auf mich gehabt. So gab ich ihr den Namen „Aura“, das Hündchen mit der besonderen Ausstrahlung. Zu Hause stellten wir ganz schnell fest, dass der Durchfall des Tierchens von einer totalen Verwurmung herrührte und wir kämpften 3 Monate lang gemeinsam mit unserem Tierarzt gegen die Würmer an. Zu guter Letzt siegten wir und aus unserem kleinen Welpen wurde eine prächtige Hündin. Fast elf Jahre hat sie uns begleitet und wurde von allen geliebt. Als dann die Nieren versagten, ließen wir sie nicht länger leiden, sondern entschließen uns dazu, auch sie einschläfern zu lassen.

Plötzlich standen wir ohne Hund da.

Ein Gefühl der Leere überkam uns.

Kein Futternapf musste mehr gefüllt werden, kein Spaziergang war nötig, keiner, dem wir die Knochen der Koteletts geben konnten. Und keiner zum Schmusen und Kuscheln.

Wir wollten uns einen neuen Hund holen. Aber vielleicht mal einen etwas anderen, trotzdem unseren bisherigen Hündinnen ähnlich. Wir lasen viel und dann stand fest: es sollte ein Landseer sein, ein großer Hund mit Schlappohren und einem ganz friedlichen Wesen, ein Familienhund, der wie unsere bisherigen Hündinnen mit all unseren Tieren harmonisch zusammen leben kann und auch die Kinder unserer Hofkundschaft mag und akzeptiert.

Da wir mittlerweile mit unseren Nutztieren auf die Zucht alter oder vom Aussterben bedrohter Rassen eingeschworen waren, wollten wir nun auch eine Hündin einer seltenen Rasse, mit der wir züchten wollen und der Landseer passt genau in unsere Vorstellung. So lasen wir wiederum viel, sammelten Informationen und schauten uns Welpen an. Aber irgendwie war es nicht das Richtige.

Zufällig erfuhren wir von Züchtern, die vor langer Zeit die Zucht der Landseer begründet hatten und wir wussten sofort, diese Züchter und keine anderen sollten es sein.

Eine Zeit des Wartens begann, denn wir mussten warten, bis eine Hündin trächtig wurde und nun schauen wir täglich im Internet nach, ob der Wurf mit unserem Welpen gefallen war.

Schon völlig eingestimmt auf unsere zukünftige Mitbewohnerin dachten wir über ihren Namen nach. Alle Welpen aus diesem Wurf müssen einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „E“ erhalten.

„E“ – wie blöd. Da fiel uns gar nichts ein. Höchstens Elli oder Ella oder Erika, aber das sind alles keine guten Hundenamen.

Also schaute ich in google. Bitte Sternennamen oder Namen von Göttinnen mit „E“ am Anfang.

Hatte ich mit einer Vielzahl von Vorschlägen gerechnet, wurde ich nun bitter enttäuscht. Unter „E“ fand ich fast nichts. Elektra, Ebony und Elva hatte ich mir notiert, aber es riß mich nicht vom Hocker. Nein, diese Vorschläge gefielen mir nicht.

Was tun?

Ich schnappte mir den Duden und schlug das Kapitel auf unter „E“, ein abendfüllendes Unterfangen. Ich weiß nun, dass „Echarpe“ das französische Wort für Schärpe oder Schal ist und es sich beim „Erlkönig“ um eine Sagengestalt handelt, aber einen Namen für unser Hündchen fand ich auch dort nicht.

Der Abend war inzwischen zu einem jungen Morgen geworden, als ich mir den Weltatlas nahm und alles unter „E“ durchlas.

Eine unserer Katzen mit einem sandfarbenen Fell wurde nach der Wüstenstadt Nafta benannt und hört auf Naftaline. Vielleicht finde ich also hier einen schönen Namen.

Ich fand Egina, Elisa und Elmina. Aber waren das Hundenamen?

Nein, damit konnte ich mich nicht anfreunden.

Und plötzlich dachte ich: es ist doch alles ganz easy.

Ja, das war´s. „Easy“.

Easy. Ja, so wollen wir sie rufen.

Easy – die Leichtigkeit des Seins!