So, die Anmeldung hatte ich per Internet abgeschickt. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Wir hatten uns entschieden, mit Easy in der Jugendklasse in Dortmund zu starten. Da alles für uns neu war -wir waren vorher noch nie auf einer Hundeausstellung gewesen! – gab uns unsere Züchterin den Rat, einfach schon mal in der Jugendklasse anzutreten, um völlig entspannt alles kennenlernen zu können, denn die Bewertung in der Jugendklasse zählt noch nicht für die spätere Zuchtzulassung.

Unsere Gärtnerei-Hündin fällt normalerweise eher unter die Rubrik Dreckspatz denn unter Ausstellungstier und so sicherten wir uns den letzten Abendtermin vor Dortmund bei einem uns bekannten Hundefrisör. Dieser Mann züchtet selbst Irische Wolfshunde und er hat sehr viel Erfahrung im Umgang mit Hunden. Easy mochte ihn sofort und vor allem die Leckerchen, die sie zwischendurch erhielt und so stand sie still in der Badewanne und auch den riesigen Föhn ertrug sie ohne mit der Wimper zu zucken. Nach 3 Stunden fuhren wir mit einer strahlend weißen Hündin mit seidigem Fell wieder nach Hause.

Ich gebe zu, die Nacht vor der ersten Ausstellung etwas unruhig geschlafen zu haben. Ich hatte gehört, daß man im Ring 3 oder auch 4 Runden mit dem Tier laufen muß. Meine letzten Sportstunden liegen schon so lange zurück, daß ich Sorge hatte, mir würde die Puste ausgehen während dieser Runden. Also hatte ich mich befleißigt, die Abendrunde mit Easy zu joggen, um Kondition zu bekommen, denn ich hatte keine Ahnung, wie groß denn der Ring sein würde. Und überhaupt. Wir wußten nicht, was uns erwartet, aber dann raste die Zeit und wir standen in Dortmund in der Halle. Menschenmengen strömten an uns vorbei und es war für unsere Ohren sehr sehr laut. Wie mußte es erst die Hündin empfinden! Und genau so verhielt sie sich. Sie zog an der Leine vorwärts, war kaum zu halten, völlig aufgeregt und aufgedreht und kaum zu beruhigen. Erst als wir endlich dort ankamen, wo schon jede Menge Landseer warteten, wurde sie etwas ruhiger.

Wir hatten noch reichlich Zeit bis zu unserem Auftritt. Ich holte meine Startnummer ab und was man unbedingt zu einer Ausstellung mitnehmen sollte, ist eine Sicherheitsnadel, um die Startnummer am T-Shirt zu befestigen. Außerdem sollte man unbedingt den Trinknapf des Hundes dabei haben. Und uns wurde schnell klar, daß faltbare Campingstühle jetzt großartig gewesen wären, denn man steht sich die Beine in den Bauch. Dafür hatten wir nun Zeit uns umzuschauen und ich traute meinen Augen nicht. Der Ring war so groß wie 2 oder 3 Wohnzimmer und dafür war ich joggen gegangen! Mein Mann hatte sich mehr für die Umgebung interessiert und kichernd stieß er mich an, ich solle mir mal den Ring neben uns ansehen. Während die Landseer Besitzerinnen in Jeans und festem Schuhwerk angetreten waren, trippelten nebenan die Damen auf High Heels mit ihren Chihuahuas wie auf einem Laufsteg durch den Ring. Wie gut, daß der liebe Gott für alle Sorten Menschen die passenden Hunde gemacht hatte.

Endlich wurden die Startnummern unserer Jugendklasse aufgerufen und hintereinander liefen wir mit unseren jungen Hündinnen  2 oder 3 Runden durch den Ring. Easy hatte ein großes Problem innen im Kreis, also auf meiner linken Seite, die Kurven zu laufen und stieß immer wieder gegen meinen Oberschenkel. Das hätte ich mit ihr üben sollen!  Als später jeder Hund einzeln zur Richterin gerufen wurde, stellte sie sich dafür großartig in Positur, ließ problemlos die Zähne kontrollieren und machte alles mit. Als wir wieder gehen konnten, hörte ich mit einem Ohr die Richterin zur Protokollführerin sagen “vorzüglich”. Wieder außerhalb des Ringes wunderte sich Easy vermutlich ein bischen darüber, daß sie so viele Leckerchen bekam!

4 Monate später nahmen wir an einer Club-Schau des DLC teil. Dieses Mal starteten wir in der Zwischenklasse und Easy passte genau seit 3 Tagen in diese Klasse. Ihre Konkurentinnen waren alle wesentlich älter und dadurch ausgewachsener und typischer und wir wurden nach den ersten 3 Runden aussortiert. Easy war einfach noch zu jung, um mit Hündinnen mithalten zu können, die 6 Monaten älter waren, ausgereifter und typischer. Heute würde ich erst später mit ihr in der Zwischenklasse starten, aber auch das muß man lernen und zu beurteilen wissen.

Ausstellungen haben ein ganz eigenes Flair und man weiß nie genau, welche Beurteilung man erhalten wird. Die Richter gewichten oft sehr unterschiedlich und so wie man früher im Deutschunterricht bei dem einen Lehrer zwei stand, gab`s bei einem anderen nur eine vier als Note. Ähnlich geht es auf Ausstellungen zu. Es gibt zwar den Rassestandart, der sich aber sowohl weit in die eine als auch in die andere Richtung auslegen läßt und die Beurteilung hängt stark ab vom Geschmack oder der Auslegung des jeweiligen Richters. Man sollte nicht zu traurig sein, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist.

Ich finde, daß jeder den schönsten Hund hat!